Archiv der Kategorie: Deutschland

Handybild der Woche (8)

Fotowerbung

Berlin Wilmersdorfer Straße – Am Karstadt wird auf einer grell beleuchteten Tafel für allerlei Dienstleistungen rund um den Bereich Foto geworben. Was kann man mit den Schnappschüssen von den eigenen Kindern nicht alles schönes basteln: Einen bunt bekritzelten Kalender fürs Büro zum Beispiel oder eine Grußkarte für die Großeltern: Herlichen Dank für alles! Herlichen Dank? Äh ja, genau. Das ist jetzt der neue Trendgruß: Einfach beliebige Buchstaben auf den Glückwunschkarten weglassen und gucken ob es der Angeschriebene merkt. Wenn es beim Chef doch nicht so gut ankommt, einfach auf das Fotostudio schieben. Aber auch beruflich sind gute Fotos und professionell gestaltete Visitenkarten natürlich Gold wert. Dass dachte sich auch Petra Müller und hängte ihre Business Card deshalb direkt neben den A4-Kalender mit eingebautem Sehtest. Wir zoomen mal etwas näher:

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Geschäftsführerin ist sie, vermutlich in ihrer eigenen Firma namens Müller Training. Was sie da macht? „Marketing, Minilab, Verkauf“ erzählt die Karte. Minilab, was ist das denn? Eine Recherche fördert zutage: Mit einem Minilab kann man so ziemlich alle Schritte der Fotoentwicklung auf kleinstem Raum selbst durchführen. Hm seltsam, wenn Frau Müller selbst ein Minilab hat, dann braucht sie ihr Supernova-Strahle-Lächeln doch nicht im Karstadt auf kleine Pappkarten drucken lassen? Beim näheren Betrachten fallen weitere Ungereimtheiten auf: Ihre Firma sitzt in Hamburg (Musterstraße 348), hat aber eine Berliner Telefonnummer mit der Vorwahl 030. Und die Domain www.müller-training.com – ihr ahnt es vermutlich schon – funktioniert natürlich auch nicht. Eine Email habe ich ihr  aber natürlich probeweise auch gleich mal geschrieben. Vielleicht kommt ja schon bald eine Antwort, ich kann mir schon  fast vorstellen wie sie anfängt: Herlichen Dank für ihre E-Mail…

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Handybild der Woche (7)

Länger auf

Magdeburg – „Für Sie machen wir länger „Auf““, verkündet diese Klebefolie in Denkblasenform an einer McDonalds-Filiale in der Innenstadt. Das Auf ist allen grammatikalischen Regeln zum Trotz groß geschrieben und steht zudem in Anführungszeichen. Was will uns der Burgerbräter damit suggerieren? Wird Freitag und Samstag Nacht etwa nicht richtig aufgemacht? Kann man zwar hineingehen, bekommt aber nichts mehr zu essen? Oder machen die McMitarbeiter heimlich die Bude auf, ohne dass der Chef etwas davon erfährt – ein inoffizieller Burgerverkauf bei Nacht und Nebel sozusagen?

Die Anführungszeichen werden in diesem geklebten Fall zu Unsicherheitszeichen – sind mit ihnen sonst oft flapsige Aussagen oder Sachverhalte die nicht ernst gemeint sind, markiert, so ist ihre Aussage hier äußerst schleierhaft. Auch die Denkblase in Wolkenform löst den Widerspruch nicht auf sondern verstärkt ihn eher: Entweder man macht den Laden wirklich länger auf (dann Sprechblase) oder man denkt nur darüber nach (wie hier offensichtlich!). Beides zur gleichen Zeit geht nicht mal bei McDonalds. Big Mac hin – Big Mac her!

Luca Dumont

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Handybild der Woche (6)

Handybild der Woche - Schweinerei

Berlin Turmstraße – Das Schwein trägt Hot Pants, ein knappes Top und dreht sich neckisch zu uns hin. Die Vorderpfote preist den Hintern an. Das Blut am Saukörper irritiert noch mehr. Uns stellen sich an dieser Stelle zwei Fragen: 1.  Was haben Schweine mit Sex zu tun? 2. Warum blutet das Schwein wie Sau? (3. Ist das die richtige Werbung für einen Fleischgroßhandel?) Die Hauptstadtfleischerei Wache wirbt auf ziemlich direkte Art mit ihrem Angebot. Frei nach dem Motto ‚Sex sells‘ preist sich die Ware hier selbst an. Auf zynische Weise wird die aufreizende Sau zum Sexobjekt. Lecker Gulasch hin, saftiger Braten her – das finden wir doch ein bisschen eklig. Die Original Fleischwurst mag ja lecker sein, aber blutende Tiere die sich in nuttiger Kleidung an willige Kunden ranschmeißen sind uns nun mal schon per se unsympatisch. Schweinerei!

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Neue Post von den Grinsebacken

Einige von euch werden sich bestimmt noch an die Fernstudien-Geschichte von letzter Woche erinnern. (-> Post von den Grinsebacken). Der freundliche Ingo Karsten von der Fernschule ILS hat mir wieder geschrieben und er hat „gute Nachrichten“ für mich. Aber lest selbst:

Brief ILS 1

Juhu! Ich bin ausgewählt für ein Stipendium! Und Ingo rückt mit ordentlich Kohle raus:

Brief ILS 3

außerdem

Brief ILS 2

Und wie gibts nun die Kohlen? Beigelegt findet sich eine Tabelle mit dem Kursangebot. 882 Euro spare ich, wenn mit einem Hauptschulabschluß in 42 Monaten mein Abitur nachhole und dafür 4662 Euro (Rabatt schon eingerechnet) bezahle. Mist, wo kriege ich jetzt auf die Schnelle einen Hauptschulabschluss her?

Schade auch, dass ich bei ILS immer nur was spare wenn ich den Grinsebacken vorher sehr viel mehr Geld überwiesen habe. Also mal ehrlich Ingo, von einem Stipendium erwarte ich doch ein bisschen mehr! So könnte ja glatt der Eindruck entstehen es handele sich um eine verkappte Werbeaktion, wo die Preise vorher absichtlich erhöht wurden um sie hinterher wieder herunterzusetzen (ganz böse Unterstellung!).

Gut hat mir auch der beigelegte Rückumschlag gefallen, der von einer gewissen Vergesslichkeit der angehenden Schüler im Übereifer der schnellen Kursanmeldung ausgeht:

Umschlag ILS 1

„Bin ich wirklich schon bereit für den Erfolg?“ werden sich jetzt viele fragen – und die Anmeldezettel doch nochmal beiseite legen. So wie ich, aber da liegt es ja eher am sparsamen Stipendium von ILS-Ingo.

Sehr schön ist auch das privilegierende Merkmal auf der Vorderseite des Umschlags. Die „eiligen Unterlagen“ in diesen Umschlägen werden natürlich viel schneller bearbeitet als die der anderen. Steht ja schließlich auch drauf:

Umschlag ILS 2

Ich warte derweil schon gespannt auf den nächsten Brief der Grinsebacken. Wer wird mir wohl als nächstes schreiben? Vielleicht Anno oder Dörte oder doch Kirsten? Und wird mir Ingo noch mehr Kohle für ein Fernabitur anbieten? Fragen über Fragen – und nur der Briefträger wird die Antwort bringen…

Luca Dumont

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Die üblen Tricks der Pfandbetrüger

Egal ob Cola, Eistee oder Mineralwasser: Für Einwegflaschen muss man seit etwas über einem Jahr (1. Mai 2006) ganze 25 Cent Pfand bezahlen. Die Plasteflaschen sind so zu einem begehrten Sammelgut geworden, kein Wunder, kriegt man doch viel mehr zurück als beispielsweise für Bierflaschen (nur 8 Cent Pfand). Der hohe Gegenwert lockte schnell auch Betrüger an. Bei einer Bande aus Schleswig-Holstein wurden im Herbst 2006 insgesamt 150.000 PET-Flaschen mit gefälschten Etiketten festgestellt. Diese hatten sie eigens in Litauen produzieren und sich liefern lassen, um sie anschließend in großen Supermärkten gesammelt zurückzugeben. Der Gegenwert hätte sich auf knapp 38.000 Euro belaufen. Doch die Aktion flog auf, die Männer wurden auf einem Aldi-Parkplatz verhaftet noch ehe sie mit dem Einlösen der Flaschen beginnen konnten (Link zur Geschichte bei Pressetext.de).

Was hat sich seitdem getan? Ist es wirklich so einfach die hochtechnisierten Pfandautomaten zu überlisten? Wir wagen den Selbstversuch, wollen eine einzelne selbstgebastelte Mogelflasche zu Geld machen.

Echte Pfandflasche

Das ist unser Ausgangspunkt: Mit einer Digitalkamera machen wir ein Foto von einer Mineralwasser-Pfandflasche. Wichtig ist der gut lesbare Barcode, an welchem der Automat erkennen kann ob es sich um eine Flasche mit oder ohne Pfand handelt.

Pfandstreifen

Wir übertragen das Foto, schneiden den Barcode virtuell aus und drucken ihn anschließend aus . Die Qualität ist nicht sonderlich gut, aber es handelt sich ja auch nur um einen Versuch. (Abbildung hier absichtlich unscharf)

Kein Pfand weil Diätgetränk

Das Zielobjekt: Die Japonica-Flasche aus dem Edeka ist aus demselben Plastik hergestellt wie ihre Pfandkollegen, aber da es sich um ein „Diät-Erfrischungsgetränk“ handelt, ist sie von der Pfandregelung ausgenommen. Wir kleben unseren selbstgedruckten Barcode auf.

25 Cent spuckt der Pfandautomat aus

Die Probe aufs Exempel: Wir schleichen uns in den nahegelegen Edeka, legen die Flasche mit dem Barcode nach oben in den Pfandautomaten. Der blinkt kurz, öffnet den malmenden Schlitz und verschluckt dann laut rumpelnd unser Versuchsobjekt. Es hat geklappt! Ohne mit der Wimper zu zucken spuckt der Flaschensammler uns den 25 Cent-Pfandcoupon aus, den wir umgehend beim Kauf von überteuerten Bonbons einlösen. Das es so einfach geht, hätten wir wirklich nicht gedacht. Aber ein bisschen schlechtes Gewissen haben wir dann schon, als uns der nette junge Mann an der Kasse ein fröhliches „und nochn schönen Tag“ hinterherruft.

Achtung: Wir wollen an dieser Stelle nicht zum Pfandbetrug aufrufen , sondern nur über die Methoden der Pfandbetrüger berichten. Wir raten ausdrücklich davon ab, selbst etikettierte Flaschen herzustellen und einzulösen!

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